kwb.raindrop · Optimierungskonzept

Ist „größer = besser“ immer wahr?

Bevor der geplante Optimierer die günstigste Mulde suchen darf, muss eine einfache Regel geprüft werden. Dieser Bericht erklärt die Prüfung und ihr Ergebnis — anhand aller 1 728 Simulationen der drei Standorte.

10. Juli 2026 Bad Aussee · Eisenstadt · Wien 3 × 576 Simulationen Quellcode (Rmd) vollständige Analyse (HTML)

1Worum geht es?

Der geplante Optimierer funktioniert wie das Zahlenraten-Spiel: „Zu klein!“ → nächster Versuch größer. „Reicht!“ → nächster Versuch kleiner. Mit jedem Versuch wird der Suchbereich halbiert, und nach etwa 7 Simulationen ist die kleinste (und damit günstigste) Mulde gefunden, die das Überlauf-Ziel schafft.

Dieses Halbieren funktioniert aber nur, wenn man sich auf eine Regel verlassen kann:

Die Regel: Wird das Bauwerk größer (mehr Fläche, mehr Tiefe, mehr Speicher, durchlässigerer Filter), darf es niemals mehr Überläufe geben als vorher. Fachbegriff: Monotonie.

Würde die Regel verletzt — also ein größeres Bauwerk plötzlich schlechter abschneiden —, könnte das Halbieren in die falsche Richtung laufen. Deshalb wurde die Regel vorab an allen vorhandenen Simulationen geprüft.

2Wie wurde geprüft — und was kam heraus?

Für jeden Standort existieren 576 Simulationen: alle Kombinationen aus Muldenfläche, Muldentiefe, Filterdurchlässigkeit, Speichertyp und Speicherhöhe. Verglichen wurden immer zwei Simulationen, die sich nur in einem einzigen Merkmal um eine Stufe unterscheiden — zum Beispiel „Mulde 100 m²“ gegen „Mulde 125 m², sonst alles gleich“. Das ergibt 5 112 Vergleichspaare. Bei jedem Paar wurde gefragt: Gab es mehr Überläufe, obwohl das Bauwerk größer war?

5 112
Vergleichspaare geprüft
13
mal „schlechter trotz größer“ (0,25 %)
+1
nie mehr als 1 Überlauf-Ereignis Unterschied
0
mal stieg die übergelaufene Wassermenge (in m³)
StandortVergleicheRegel verletztBewertung
Eisenstadt1 7040perfekt monoton
Wien1 7041monoton im relevanten Bereich
Bad Aussee1 7041212 Scheinausreißer, alle erklärbar

Der Wiener Einzelfall passiert bei rund 287 Überläufen pro Simulationszeitraum — meilenweit entfernt von jedem realen Planungsziel (0 bis 5 Überläufe). Die zwölf Bad-Aussee-Fälle schauen wir uns in Abschnitt 4 genau an: Es sind Zähl-Effekte, keine echten Verschlechterungen.

3So sehen die Daten aus

Die Balken zeigen für jeden Standort dieselbe Beispiel-Bauweise (Muldentiefe 300 mm, schnellster Filter, Sickerbox 300 mm) — nur die Muldenfläche wächst von links nach rechts. Überall gilt: größere Fläche, weniger Überläufe. Nur in Bad Aussee springt der Zähler am letzten Schritt von 1 auf 2 zurück — der orange Balken.

Eisenstadt — ab 75 m² kein Überlauf mehr

Eisenstadt: Überläufe je Muldenfläche 9 1 0 0 0 0 0 0 25 200 m²
Anzahl Überlauf-Ereignisse. Fällt und bleibt bei null — mustergültig.

Wien — fällt Stufe um Stufe

Wien: Überläufe je Muldenfläche 160 30 12 3 2 1 1 1 25 200 m²
Nie ein Anstieg — die Regel hält über den ganzen Bereich.

Bad Aussee — der Zähler springt am Ende

Bad Aussee: Überläufe je Muldenfläche, mit Ausreißer 498 110 18 8 5 1 1 2 25 200 m²
Von 498 auf 1 — dann zählt die größte Mulde plötzlich 2. Warum, zeigt Abschnitt 4.

Balkenhöhen sind gestaucht (Wurzel-Skala), damit große und kleine Werte gleichzeitig sichtbar sind — es gelten die Zahlen über den Balken.

4Warum der Zähler manchmal einen Streich spielt

Was ist überhaupt „ein Überlauf-Ereignis“? Läuft die Mulde über, beginnt ein Ereignis. Erst wenn danach mehr als 4 Stunden Pause ohne Überlauf vergehen, gilt der nächste Überlauf als neues Ereignis. Und genau da liegt der Haken:

Dasselbe Regenereignis, zwei Muldengrößen

Erklärgrafik: Ereignistrennung nach 4 Stunden Pause Mulde 175 m² läuft länger über durchgehender Überlauf = 1 Ereignis Mulde 200 m² 75 % weniger Wasser > 4 Std. Pause = 2 Ereignisse Zeit
Die größere Mulde schluckt mehr Regen: Hier läuft nur noch ein Viertel des Wassers über (22 → 5,6 m³; je nach Bauweise sind es in den 13 Fällen 2–76 % weniger). Aber weil der Überlauf zwischendurch über 4 Stunden aussetzt, zerfällt er in zwei gezählte Ereignisse — der Zähler steigt von 1 auf 2, obwohl die Mulde besser geworden ist.

Dass es wirklich nur der Zähler ist, zeigt der Blick auf die Wassermenge derselben Bad-Aussee-Reihe: Sie fällt an jedem Schritt — auch am letzten, wo der Zähler springt.

Bad Aussee, dieselbe Reihe: übergelaufene Wassermenge [m³]

Bad Aussee: Überlaufvolumen in Kubikmetern fällt durchgehend 5 556 1 491 485 215 96 42 22 5,6 25 200 m²
Alle Angaben in m³. Am letzten Schritt (175 → 200 m²): Zähler 1 → 2, Wassermenge 22 → 5,6 m³. Die große Mulde ist eindeutig besser. Genau nach diesem Muster laufen alle 13 gefundenen „Verletzungen“ ab — und die Wassermenge stieg (in m³ geprüft) in keinem einzigen der 5 112 Vergleiche.

5Nebenbefund: Verdunstung hängt nur an der Fläche

Für das zweite Planungsziel — möglichst viel Wasser verdunsten lassen statt versickern — zeigen die Daten ein sehr klares Bild: Mehr Muldenfläche bringt mehr Verdunstung, und zwar in ausnahmslos jedem Vergleich. Muldentiefe, Speicherhöhe und Filter ändern an der Verdunstung dagegen praktisch nichts. Wer mehr Verdunstung will, kann sie also nur über die Fläche „kaufen“.

Verdunsteter Anteil des Regens je Muldenfläche (Beispiel-Bauweise wie oben)

Verdunstung steigt mit der Muldenfläche an allen drei Standorten 40 % 20 % 0 % Eisenstadt 39 % Wien 22 % Bad Aussee 10 % 25 m² 200 m²
Je größer die Mulde, desto mehr Regen verdunstet. Bad Aussee liegt klimabedingt niedriger (viel Regen, wenig Verdunstungsenergie).

6Fazit: Der Optimierer darf halbieren

Die Regel „größer = besser“ hält. 5 099 von 5 112 Vergleichen erfüllen sie direkt; die 13 Ausnahmen sind Zähl-Effekte der 4-Stunden-Pause, bei denen das Bauwerk in Wahrheit besser wurde. Die übergelaufene Wassermenge — der ehrlichere Maßstab — verschlechterte sich kein einziges Mal.

Damit auch die 13 Scheinausreißer dem Optimierer nie ein Bein stellen können, bekommt er drei einfache Vorsichtsregeln mit:

Nah an der bekannten Grenze starten

Die 576 vorhandenen Simulationen zeigen schon grob, wo die Grenze zwischen „reicht“ und „reicht nicht“ liegt. Der Optimierer verfeinert nur noch in diesem schmalen Bereich — dort ist die Grenze an allen drei Standorten eindeutig.

Nicht vorschnell aufgeben

Fällt ein großes Bauwerk scheinbar knapp durch (genau 1 Ereignis über dem Ziel), erst kleinere Varianten prüfen, bevor „keine Lösung“ gemeldet wird. In Bad Aussee war z. B. die 175-m²-Mulde zulässig, die 200-m²-Mulde formal nicht — nur wegen des Zählers.

Wassermenge als Schiedsrichter

Bei jedem verdächtigen Sprung des Zählers wird geprüft: Ist die Wassermenge weiter gefallen? Ja → harmloser Zähl-Effekt, weiterrechnen. Nein → Warnung. Der zweite Fall ist bisher nie aufgetreten — die Prüfung ist der eingebaute Rauchmelder für künftige Standorte.

7Für Nachprüfer: die 13 Fälle im Detail

Tabelle der 13 Ausnahmen anzeigen
StandortVergleich entlangBauweise (fixiert)ÜbergangZählerWassermenge [m³]
Bad Ausseemulde_areaTiefe 200 · kf 36 · Rigol 900175 → 200 m²1 → 244,1 → 28,8 (−35 %)
Bad Ausseemulde_areaTiefe 200 · kf 36 · Box 300175 → 200 m²1 → 241,5 → 25,8 (−38 %)
Bad Ausseemulde_areaTiefe 200 · kf 180 · Rigol 900175 → 200 m²1 → 243,1 → 28,3 (−34 %)
Bad Ausseemulde_areaTiefe 200 · kf 180 · Box 300175 → 200 m²1 → 240,0 → 25,6 (−36 %)
Bad Ausseemulde_areaTiefe 200 · kf 360 · Rigol 900175 → 200 m²1 → 243,1 → 28,3 (−34 %)
Bad Ausseemulde_areaTiefe 200 · kf 360 · Box 300175 → 200 m²1 → 240,0 → 25,6 (−36 %)
Bad Ausseemulde_areaTiefe 300 · kf 36 · Rigol 900175 → 200 m²1 → 226,6 → 8,8 (−67 %)
Bad Ausseemulde_areaTiefe 300 · kf 36 · Box 300175 → 200 m²1 → 224,0 → 5,8 (−76 %)
Bad Ausseemulde_areaTiefe 300 · kf 180 · Rigol 900175 → 200 m²1 → 225,6 → 8,3 (−67 %)
Bad Ausseemulde_areaTiefe 300 · kf 180 · Box 300175 → 200 m²1 → 222,5 → 5,6 (−75 %)
Bad Ausseemulde_areaTiefe 300 · kf 360 · Rigol 900175 → 200 m²1 → 225,6 → 8,3 (−67 %)
Bad Ausseemulde_areaTiefe 300 · kf 360 · Box 300175 → 200 m²1 → 222,5 → 5,6 (−75 %)
Wienstorage_height25 m² · Tiefe 200 · kf 36 · Rigol1800 → 2700 mm287 → 2882 453 → 2 400 (−2 %)

Auffällige Systematik: Alle zwölf Bad-Aussee-Fälle liegen am äußersten Rasterschritt (175 → 200 m²) bei minimaler Speicherhöhe. Der Wiener Fall spielt bei ~287 Ereignissen — ohne jede praktische Bedeutung.

8Code und Daten

Dieser Bericht liegt als index.html im Unterordner vignettes/monotonicity_analysis/ des Pakets kwb.raindrop — zusammen mit den exportierten Detailtabellen. Analyse-Quellcode (.Rmd) und gerenderte Analyse liegen im selben Ordner; Eingangsdaten und Ergebnistabellen der Workflows liegen daneben unter ../brute-force/. Nicht zu verwechseln mit dem „Brute-Force“-Linkhub (index.Rmdindex.html eine Ebene höher). Die Links sind relativ: Sie funktionieren in der lokalen Kopie und im Web-Deployment (in der auf claude.ai gehosteten Fassung sind sie ohne Funktion).

KategorieDateien
Analyse-Code monotonicity_analysis.Rmd (Quellcode, bedingte Vignette) · monotonicity_analysis.html (gerendert, mit allen Tabellen und Grafiken)
Eingangsdaten (CSV) Bad Aussee · Eisenstadt 2005 · Wien
Interaktive Ergebnistabellen der Workflows Bad Aussee · Eisenstadt 2005 · Wien
Exportierte Detailtabellen Schrittverteilung (CSV · HTML) · Verletzungen (CSV · HTML) · Volumen (CSV · HTML) · Verdunstung (CSV · HTML) · Ambiguität (CSV · HTML) · Schwellentreppe (CSV · HTML) · kf-Dominanz (CSV · HTML) · Warmstart-Designs (CSV · HTML)